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Der europäische Orgelbauer Arp Schnitger
Höhepunkt der barocken Orgelkunst mit Auswirkungen auf die gegenwärtige globale Orgelkultur
Arp Schnitger (1648-1719) war der erste Orgelbauer, der seine Tätigkeit in einem internationalen Rahmen entfaltete. Seine Instrumente sind heute noch in Deutschland, den Niederlanden, Portugal und Brasilien erhalten. Neue Orgeln im Stile Schnitgers sind in den letzten Jahrzehnten in vielen europäischen Ländern, in den USA, Japan oder Australien entstanden. Wir haben es mit einem kulturellen Phänomen zu tun, in dem Geschichte, Gegenwart und Zukunft eng verflochten sind.
Die Kunst Arp Schnitgers ist eng verbunden mit den Instrumenten seiner Vorgänger, da er in sehr vielen Fällen alte Gehäuse und alte Pfeifen wieder verwendete. Im Werk Schnitgers kulminiert die Orgelbaukunst Nordeuropas des 16. und 17. Jahrhunderts. Gleichzeitig gründete er eine Orgelbauschule, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts zu verfolgen ist. Der Schnitger-Stil diente im 20. Jahrhundert als wichtiges Vorbild und verbreitete sich global. Der Orgelstil Schnitgers wurde mit nur geringfügigen Änderungen von seinen Mitarbeitern und Nachfolgern weitergeführt.
Die europäische Orgelstrasse hat ihren südlichsten Punkt in Faro (Algarve/Südportugal) und ihren nördlichsten in Övertorneå (am Polarkreis in Nordschweden). In der Kathedrale von Faro befindet sich eine originale Orgel aus Schnitgers Werkstatt und in Övertorneå ist das ursprünglich für die Deutsche Kirche in Stockholm erbaute Orgelwerk aus dem 17. Jahrhundert im Stil der Vorgänger Schnitgers erhalten.
Die Stationen der europäischen Orgelstrasse mit originalen Orgeln aus Schnitgers Werkstatt sind. - in Portugal: Faro und Moreira da Maia bei Porto, - in den Niederlanden: Zwolle und Groningen (12 originale Orgeln in Stadt und Provinz), - in Deutschland: 16 originale Orgeln in den Küstenregionen von Nord- und Ostsee mit der größten Schnitger-Orgel in Hamburg/St. Jacobi.
Bedeutende Instrumente aus dem 17. Jahrhundert, die den Weg zum Stil Arp Schnitgers repräsentieren, befinden sich - in den Niederlanden (Noordwolde, Kantens und Meeden in der Provinz Groningen), - in Deutschland (Langwarden im Land Oldenburg, Buttforde in Ostfriesland), - in Dänemark (Dom zu Roskilde), - in Schweden (Övertorneå).
Aus der unmittelbaren Schnitgerschule sind Instrumente in den Niederlanden und Deutschland gut erhalten. Weit beachtete Neubauten im norddeutschen Stil sind zu finden - in Frankreich (Toulouse, Limoges, Belfort), - in Deutschland (Bremen), - in Dänemark (Kopenhagen) - in Schweden (Göteborg, Stockholm und Norrfjärden) sowie - in den USA, Japan, Korea und Australien.
Die Europäische Orgelstrasse führt von der portugiesischen Atlantikküste über Süd- und Ost-Frankreich in die nördlichen Provinzen der Niederlande, dann entlang den Nord- und Ostseeküsten über Dänemark nach Nordschweden. Der „rote Faden“ wird von den erhaltenen Schnitger-Orgeln gebildet.
Die Europäische Orgelstrasse zeigt einen repräsentativen Ausschnitt der europäischen Orgelkultur, die sehr unterschiedliche Regionen Europas unter dem Aspekt eines gemeinsamen Kulturerbes verbindet. Sie vermittelt einen Eindruck der kulturellen Kontinuität von der Vergangenheit in die Zukunft.
Das Konzept der Europäischen Orgelstrasse verbindet die wissenschaftliche Erschließung eines wichtigen Kulturerbes mit der Wiedergewinnung der verlorenen Fertigkeiten zu ihrer Herstellung. Diese Fertigkeiten sind für die Sicherung der originalen Substanz ebenso wichtig wie für die Erhaltung und Wiedergewinnung der ursprünglichen Funktionsweise. Auf dieser Grundlage wird es zu einer dauerhaften Präsentation der historischen und neu gebauten Instrumente im Rahmen des modernen Musiklebens und des kirchlichen Gebrauchs im neu errichteten Arp Schnitger Centrum in Golzwarden kommen. Golzwarden ist konzeptionell und geographisch der Mittelpunkt der Europäischen Orgelstrasse.
Kooperationen entstehen mit ähnlichen Konzepten auf regionaler Ebene. Als Beispiel kann die Kleine Europäische Orgelstrasse in der deutsch-niederländischen Ems-Dollart-Region (Ostfriesland/Groningen) angeführt werden. Hier befinden sich in einem kleinen Gebiet – in Fahrrad-Distanz – originale Orgelinstrumente und Repliken im norddeutschen, niederländischen, altitalienischen, klassisch-französischen und englischen Stil. Organisatorisches Zentrum ist das 1997 gegründete Organeum in Weener, das weit bekannt gewordene Zentrum für die Orgelkultur dieser Region. Weitere Beispiele sind die Orgelakademie Stade in unmittelbarer Nähe vieler Schnitger-Orgeln in der alten Hansestadt Stade und dem angrenzenden Alten Land an der Elbe sowie das Göteborg Organ Art Center (GOArt).
Harald Vogel
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