Leben und Werk

Leben und Werk

Arp Schnitger (1648-1719)

Arp Schnitger kam aus einer schon lange in Schmalenfleth (heute: Stadtteil von Brake/Unterweser) ansässigen angesehenen Familie. Sein Vater war ein geachteter Tischler (niederdeutsch: „Snitker“), der nachweislich auch zu kleineren Orgelreparaturen herangezogen wurde.

Das Wappen Arp Schnitgers
Im Feld links ist der Arm zu sehen, der aus der Wolke den Zirkel reicht – das Zeichen der Orgelmacher.

Wahrscheinlich erblickte Arp Schnitger am 2. Juli 1648 das Licht der Welt im 300 Seelen großen Dorf Schmalenfleth. Der Taufeintrag im Golzwarder Pfarrarchiv datiert vom 9. Juli jenen Jahres.

Mit seinen fünf Geschwistern wuchs er in einem reithgedeckten Fachwerkhaus auf, das außer Wohnung und Werkstatt noch Stallungen für das Vieh aufwies. Der Nachfolgebau steht in der Friesenstraße Nr. 16 in Schmalenfleth. Schräg gegenüber lag die kleine einklassige Dorfschule, die er besuchte. Da Arp Schnitger Lateinkenntnisse besaß, ist davon auszugehen, dass er zusätzlichen Unterricht in der Golzwarder oder Ovelgönner Lateinschule erhielt. Danach erlernte Arp in der väterlichen Werkstatt für vier Jahre das Tischlerhandwerk.

Das Wappen Arp Schnitgers (Foto: v.Ivernois)

Das Wappen Arp Schnitgers
(Foto: v.Ivernois)

Taufeintrag Arp Schnitgers
vom 9. Juli 1648: 

„Arp Schnittkers Söhnlein Arp“
(Foto: v.Ivernois)

Als der 18-jährige Tischlergeselle seinem Heimatdorf „Lebewohl“ sagte, nahm er mehr mit als nur sein Reisegepäck, nämlich gute Grundlagen für seine später so erstaunliche Karriere: eine gute Schulbildung, eine überdurchschnittliche Ausbildung im Tischlerhandwerk, Musikalität, technisches Verständnis und Wissensdurst.

Sein Ziel war Glückstadt an der Unterelbe, wo er bei seinem aus dem Oldenburgischen stammenden Vetter (oder Onkel) Berendt Huß eine spezielle, fünf Jahre dauernde Orgelbauerlehre absolvierte. Weitere fünf Gesellenjahre folgten. Schon während dieser Zeit zeichnete sich Schnitger in seinem Beruf besonders aus, und er erhielt nach Fertigstellung der Stader St. Cosmae-Orgel 1673 (Bild rechts/v.Ivernois)) von den Auftraggebern ein stattliches Geldgeschenk.

Als Meister Huß 1676 während der Arbeiten an der Orgel in der Stader St. Wilhadi-Kirche starb, führte sein „Orgel Bauwer Gesell“ Schnitger die Arbeiten eigenverantwortlich mit großem Erfolg zu Ende. Mit einer ansehnlichen Zuwendung bezeugte auch hier die Kirchenverwaltung ihren Dank.

Nach dem Tode seines Lehrherren führte Schnitger mit 29 Jahren in Stade, zunächst im Auftrage der Witwe Huß, die Orgelwerkstatt weiter. Zuerst kamen Aufträge aus der näheren Umgebung, doch der gute Ruf des jungen, tüchtigen Meisters verbreitete sich schnell. Weitere Aufgaben riefen ihn in den gesamten Raum der ehemaligen Herzogtümer Bremen und Verden sowie nach Hamburg.

Fünf Jahre lang, von 1677 bis 1682, arbeitete Schnitger in seiner Werkstatt in Stade. Dann zog er nach Hamburg, richtete dort seine Orgelbauwerkstatt ein und legte den Bürger-Eid ab, denn in der damals bekannten Musikstadt erwartete ihn ein ehrenvoller Auftrag: Für die St. Nicolai-Kirche sollte er die größte jemals in Deutschland gefertigte Orgel bauen. In fast fünfjähriger Arbeit schufen Arp Schnitger und seine Gesellen ein wahres Wunderwerk, das seinen Ruhm begründen sollte. Diese Orgel mit 67 Registern, vier Manualen und Pedal hatte mehr als 4000 Pfeifen, deren größte, das 32-füßige C, ansehnliche 860 Pfund wog. Wegen ihrer soliden Bauart und ihres wunderbaren Klanges stellte diese Orgel einen Höhepunkt der Orgelbaukunst dar und wurde zum entscheidenden Schritt in der Karriere des jungen Meisters.

(Foto: v.Ivernois)
"Orgelbauerhof"

Orgel von St. Jacobi / Hamburg

Orgelfachleute und Komponisten pilgerten in die Hansestadt, denn dieses Instrument erregte ungemeines Aufsehen. Der bekannteste damalige Orgelmeister und Komponist, Dietrich Buxtehude, ließ sich sogar Urlaub geben, um das Instrument zu prüfen und zu spielen. Auch Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach reisten später zu den großen Schnitger – Orgeln und waren von der bis dahin unerreichten Klangfülle begeistert.

Bis in die kleinen norddeutschen Kirchspiele hinein war Schnitger nun bekannt, und es folgten Aufträge aus dem gesamten nordwestdeutschen Raum und aus den Niederlanden. Sogar bis nach England, Russland, Spanien und Portugal reichte sein Wirkungskreis; für damalige Verhältnisse war das eine fast weltweite Tätigkeit.

Als wahre Sternstunde kann das Zusammentreffen mit dem Komponisten, Organisten und Orgelsachverständigen Vincent Lübeck (1654-1740) bezeichnet werden. In einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit und Freundschaft konnten sich beide Fachleute ergänzen und Anregungen des anderen umsetzen.

Als wahre Sternstunde kann das Zusammentreffen mit dem Komponisten, Organisten und Orgelsachverständigen Vincent Lübeck (1654-1740) bezeichnet werden. In einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit und Freundschaft konnten sich beide Fachleute ergänzen und Anregungen des anderen umsetzen.

Inzwischen war Schnitger mit der wohlhabenden Hamburger Kaufmannstochter Gertrud Otte vermählt. Wahrscheinlich hatte er sie in Neuenfelde bei Hamburg kennen gelernt, wo ihr Vater einen Hof besaß und wo Schnitger gerade eine neue Orgel baute. Seit etwa 1705 bis zu seinem Tode im Jahr 1719 hat Schnitger dann auf diesem Hof, dem sogenannten „Orgelbauerhof“ (Bild links) eine weitere Orgelwerkstatt unterhalten.

Sechs Kinder hatte das Paar. Alle vier Söhne ergriffen den Beruf des Vaters, aber nur zwei von ihnen sollten ihren bedeutenden Vater überleben und sein Werk weiterführen. Franz Caspar wirkte nach dem Tod von Arp Schnitger im Jahre 1719 in den Niederlanden.

Nachdem Schnitgers erste Frau im Jahre 1707 gestorben war, heiratete er 1713 ein zweites Mal. Er hatte Anna Elisabeth Koch, die Witwe eines Organisten, während seiner Arbeiten an der Orgel in Abbehausen (Wesermarsch) kennengelernt.

Der riesige Wirkungskreis Schnitgers war nicht nur seiner herausragenden Qualitätsarbeit zuzuschreiben, sondern auch den dadurch mitbedingten Orgelbauerprivilegien für die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst (1699), die Herzogtümer Bremen und Verden (1699) sowie die Fürstentümer Schleswig und Holstein (1702). Überdies wurde er 1708 zum preußischen Hoforgelbauer ernannt. Zusammen mit den gut gepflegten Beziehungen zu den Freien Reichsstädten und den einflußreichen Familien im Groninger Land kann fast von einer Monopolstellung Schnitgers im norddeutschen Orgelbau gesprochen werden.

(Foto: C.Bahlmann)

Grab Schnitgers in Hamburg – Neuenfelde

Der Vollender der norddeutschen Barockorgel geriet im 19. Jahrhundert weitgehend in Vergessenheit, sogar sein Grab in Neuenfelde war verschollen; es wurde erst 1971 wiederentdeckt und mit einer schlichten Steinplatte versehen.